McKinsey: Zwei Drittel des Marketings können Agenten übernehmen. Was heißt das für den Mittelstand?
McKinsey: Agentic AI kann bis zu zwei Drittel des Marketings übernehmen, doch unter 10 % der CMOs sehen Wert. Was die Zahlen für den Mittelstand bedeuten.
McKinsey sagt: Bis zu zwei Drittel der heutigen Marketingaktivitäten können KI-Agenten übernehmen. Dieselbe Analyse sagt aber auch: Fast 90 % der CMOs experimentieren mit KI, unter 10 % realisieren messbaren Wert über den gesamten Prozess. Die Lücke dazwischen ist die eigentliche Nachricht – und sie ist für den Mittelstand eher Chance als Bedrohung.
Denn die Lücke entsteht nicht durch fehlende Technologie, sondern durch fehlende Systeme: Agenten werden als Tool neben bestehende Abläufe gestellt, statt die Abläufe selbst neu zu bauen. Dieser Beitrag ordnet die McKinsey-Zahlen ein, ergänzt sie um die deutsche Sicht von OWM und Accenture Song und zeigt, was „zwei Drittel“ in einem Unternehmen mit 20 bis 200 Mitarbeitenden konkret bedeutet.
Kurz erklärt: Laut McKinsey („Reinventing marketing workflows with agentic AI“, 2026) kann Agentic AI bis zu zwei Drittel der Marketingaktivitäten übernehmen, Kampagnen 10- bis 15-mal schneller erstellen und durch Hyperpersonalisierung 10 bis 30 % Umsatzwachstum ermöglichen. Voraussetzung ist, Arbeitsabläufe um Agenten herum neu zu gestalten, statt Tools aufzusetzen.
Die McKinsey-Zahlen im Überblick
- Bis zu zwei Drittel der heutigen Marketingaktivitäten lassen sich durch Agentic AI übernehmen – von Recherche über Content-Erstellung bis zu Kampagnensteuerung und Reporting.
- 10 bis 30 % Umsatzwachstum durch hyperpersonalisiertes Marketing, also Botschaften, die pro Segment oder Person in Echtzeit angepasst werden.
- 10- bis 15-mal schneller: Kampagnen entstehen in Tagen statt Monaten, weil Briefing, Entwurf, Varianten und Prüfung parallel laufen.
- Fast 90 % der CMOs experimentieren mit KI – aber unter 10 % haben End-to-End-Wert realisiert.
Die Zahlen beziehen sich auf große Marketingorganisationen. Die Mechanik dahinter gilt aber unabhängig von der Größe.
Warum 90 % experimentieren und unter 10 % Wert sehen
McKinseys Kernthese: Die meisten Unternehmen setzen KI auf bestehende Abläufe auf. Ein Texter nutzt ChatGPT, eine Mediaplanerin ein Bidding-Tool, die Agentur einen Bildgenerator. Jeder Schritt wird etwas schneller, aber der Ablauf bleibt derselbe: Briefing, Warten, Abstimmung, Korrektur, Freigabe, Reporting. Der Flaschenhals sitzt in den Übergaben, nicht in den Einzelschritten.
Wert entsteht erst, wenn der Ablauf selbst neu gebaut wird: Ein Agent bekommt das Ziel, zerlegt es, zieht Daten aus Werbekonto und CRM, erstellt Varianten, lässt sie prüfen und legt dir das Ergebnis zur Freigabe vor. Das ist der Unterschied zwischen „KI-Tool“ und Agenten-Team – und genau der Unterschied, den die meisten Pilotprojekte nicht machen. Mehr zur Abgrenzung unter Marketing-Automation vs. KI-Agenten.
Deutschland: OWM und Accenture Song bestätigen das Bild
Die Studie von OWM (Organisation Werbungtreibende im Markenverband) und Accenture Song zeigt für deutsche Werbungtreibende dieselbe Lücke:
- 70 % nutzen generative KI, vor allem für Content (68 %) und Ideenfindung (64 %).
- 91 % sagen, Agentic AI beeinflusst heute unter 10 % ihrer Marketingentscheidungen.
- 60 % erwarten bis 2027 einen Einfluss von bis zu 30 %.
- 55 % rechnen damit, dass Agenten rund ein Drittel der Routineaufgaben übernehmen.
Anders gesagt: Die Erwartung ist da, die Umsetzung fängt gerade erst an. Wer jetzt ein funktionierendes Agenten-System aufbaut, bewegt sich in einem Feld, in dem selbst große Marken noch am Anfang stehen.
Was „zwei Drittel“ im Mittelstand konkret heißt
Im Mittelstand sieht Marketing anders aus als bei McKinseys Klienten. Es gibt selten eine Marketingabteilung, oft eine Person mit halber Stelle, eine Agentur oder den Inhaber am Wochenende. Die zwei Drittel sind deshalb keine Stellen, die wegfallen, sondern Arbeit, die heute nicht gemacht wird:
| Aufgabe | Heute | Mit Agenten-Team |
|---|---|---|
| Google-Ads-Suchbegriffe bereinigen | Quartalsweise oder nie | Wöchentlich, Ausschlüsse zur Freigabe |
| Blogartikel und Landingpages | Wenn Zeit ist | Geplant, aus deinem Wissen, geprüft, zur Freigabe |
| Bewertungen beantworten | Nach Wochen | Innerhalb von Stunden, kritische Fälle zur Freigabe |
| Anfragen qualifizieren | Bauchgefühl | Gegen Zielkundenprofil, mit Rückrufvorschlag |
| Reporting | Agentur-PDF monatlich | Laufend, mit Abweichungen und Vorschlägen |
Was beim Menschen bleibt: Positionierung, Angebot, Preisstrategie, die Entscheidung, welche Kunden du willst – und die Freigabe. Das ist das verbleibende Drittel, und es ist das wichtigere.
Der Unterschied zwischen Konzern und Mittelstand
Für Konzerne bedeutet McKinseys Empfehlung, Workflows neu zu bauen, ein Transformationsprogramm mit Change-Management, IT-Integration und Pilotphasen. Für den Mittelstand ist die Hürde paradoxerweise niedriger: Es gibt weniger Abläufe, die umgebaut werden müssen, weil viele gar nicht existieren. Ein Agenten-Team ersetzt keine Abteilung, sondern füllt eine Lücke.
Die Bedingung ist dieselbe wie bei McKinsey: Es braucht ein System, kein Tool. Unternehmenswissen, Richtlinien, Skills, Konnektoren zu Werbekonten und CMS, Prüf-Agenten und eine Inbox mit Freigabe – gesteuert vom Handy, nicht aus einem Dashboard, das niemand öffnet. Wie dieses System aufgebaut ist, erklärt Was ist Agentic Marketing.
Drei Schritte für den Einstieg
- Einen Kanal wählen, der Geld bewegt. Google Ads oder Meta Ads sind messbar, die Routine ist klar definiert, der Nutzen zeigt sich in Wochen.
- Wissen aufschreiben. Positionierung, Zielgruppen, Einwände, Tonalität, Tabus. Ohne das liefert jeder Agent Allgemeinplätze.
- Autonomie stufenweise erhöhen. Erst Vorschläge, dann Routinen mit Freigabe, dann definierte Grenzen ohne Freigabe.
Fazit: Die Lücke ist die Chance
McKinseys zwei Drittel sind keine Prognose über Arbeitsplätze, sondern eine Beschreibung dessen, was operativ automatisierbar ist. Dass unter 10 % der CMOs diesen Wert realisieren, liegt an der Art der Einführung: Tools statt Systeme. Für Mittelständler ist das die Chance, weil ein Agenten-Team dort Arbeit übernimmt, die heute liegen bleibt – und weil die Konkurrenz, wie OWM zeigt, noch am Anfang steht.
Häufige Fragen
Was genau sagt McKinsey über Agentic AI im Marketing?
Laut McKinsey kann Agentic AI bis zu zwei Drittel der heutigen Marketingaktivitäten übernehmen, Kampagnen 10- bis 15-mal schneller erstellen und 10 bis 30 % Umsatzwachstum durch Hyperpersonalisierung ermöglichen. Fast 90 % der CMOs experimentieren, unter 10 % realisieren End-to-End-Wert.
Gilt das auch für kleine Unternehmen ohne Marketingabteilung?
Ja, mit einem Unterschied: Im Mittelstand ersetzt ein Agenten-Team keine Abteilung, sondern übernimmt Arbeit, die heute nicht gemacht wird – Kontopflege, Content, Bewertungen, Lead-Qualifizierung.
Warum scheitern so viele KI-Pilotprojekte im Marketing?
Weil KI als Tool auf bestehende Abläufe gesetzt wird, statt den Ablauf um Agenten herum neu zu bauen. Der Flaschenhals sitzt in Übergaben und Abstimmungen, nicht in den Einzelschritten.
Was bleibt beim Menschen?
Positionierung, Angebot, Preisstrategie, Zielkunden und die Freigabe. Laut OWM/Accenture Song wollen auch Verbraucher, dass autonome Entscheidungen unter menschlicher Kontrolle bleiben.
Nächster Schritt
Wenn du wissen willst, welche zwei Drittel in deinem Marketing heute liegen bleiben, ist eine kostenlose Analyse der direkte Weg. Wir schauen auf Kanäle, vorhandenes Wissen und Engpässe und sagen dir ehrlich, wo ein Agenten-Team etwas bringt. Konkrete Szenarien nach Branche findest du unter Agentic-Marketing-Beispiele für den Mittelstand, die Kostenseite unter Agentic Marketing Kosten.
Quellen
Über den Autor
Timo Brandt
17 Jahre Unternehmer im Mittelstand. Baut mit AgenticMarketing Agenten-Teams, mit denen Unternehmen ihr Marketing selbst machen: implementiert, nicht beraten. Gesteuert vom Handy.